Brisant Künstliche Intelligenz Software
06.05.2026

Die nächste Stufe der Physical AI

Intelligente Automatisierung geht einen entscheidenden Schritt weiter: Durch die enge Verbindung von künstlicher Intelligenz und Robotik entstehen vernetzte Produktionssysteme, die in Echtzeit lernen und sich kontinuierlich anpassen. Statt isolierter Einzellösungen rückt das Zusammenspiel von Mensch und Maschine in den Mittelpunkt – eingebettet in flexible, datengetriebene Prozesse. Ein neuer Robotikansatz zeigt, wie diese Entwicklung die nächste Stufe der industriellen Automatisierung prägt. Dieser Artikel ist vollständig ohne Registrierung lesbar.

Künstliche Intelligenz verändert industrielle Abläufe grundlegend: Sie reduziert Einstiegshürden, steigert die Effizienz und macht Prozesse zunehmend autonom und anpassungsfähig. Was früher durch starre Strukturen geprägt war, entwickelt sich heute zu dynamischen Systemen. Agile Robots gibt dieser Entwicklung gewissermaßen einen physischen Ausdruck, indem das Unternehmen intelligente Algorithmen mit moderner Robotik verbindet. Im Gespräch mit Bettina Schön-Behanzin geht Chefredakteurin Nicole Steinicke der Frage nach, wie sich KI-basierte Lösungen über den digitalen Raum hinaus in die reale Produktion übertragen lassen – und welchen konkreten Mehrwert sie dort schaffen.

Nicole Steinicke: Frau Schön-Behanzin, wie ist Agile Robots entstanden – und welchen technologischen Ansatz verfolgen Sie heute?

Schön-Behanzin: Agile Robots wurde 2018 als Spin-off aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt gegründet. Ausgangspunkt war eine hochentwickelte Roboterhand, deren mechanische Fähigkeiten bereits sehr weit waren – allerdings fehlte damals die notwendige Intelligenz. Unser Ansatz besteht darin, genau diese Lücke zu schließen: Genau hier setzen wir an: Wir kombinieren Robotik mit künstlicher Intelligenz, die wir mit echten Industriedaten trainieren. So entstehen adaptive Systeme. Für Konstrukteure und Entwickler bedeutet das vor allem eines: deutlich mehr Flexibilität. Der Fokus liegt klar auf der engen Verzahnung von Hardware, Software und Datenebene.

Bettina Schön-Behnazin (li.), Vice President External Affairs and Communications, Agile Robots SE im Gespräch mit Nicole Steinicke, Vereinigte Fachverlage (re.)

Nicole Steinicke: Welche Anforderungen aus Entwicklung und Integration stehen bei Ihnen im Fokus?

Schön-Behanzin: Wir sehen in der Praxis vor allem drei zentrale Anforderungen: Integrationsfähigkeit in bestehende Anlagen, Flexibilität im Umgang mit Varianten und Skalierbarkeit über unterschiedliche Produktionsszenarien hinweg. Unsere Systeme sind so ausgelegt, dass sie sich in Brownfield-Umgebungen einbinden lassen – also in bestehende Fabriken mit gewachsenen Strukturen. Gleichzeitig bieten wir modulare Architekturen, die es Integratoren ermöglichen, Lösungen anwendungsspezifisch zu konfigurieren. Für Entwickler ist zudem entscheidend, dass unsere Systeme über standardisierte Schnittstellen verfügen und sich in übergeordnete Steuerungs- und IT-Systeme integrieren lassen.

Nicole Steinicke: Wie sieht Ihr Portfolio konkret aus und welche Einsatzszenarien adressieren Sie?

Schön-Behanzin: Unser Portfolio reicht von Roboterarmen mit unterschiedlichen Traglasten, (teil-)humanoide Systeme sowie Lösungen für die Intralogistik, etwa autonome mobile Roboter. Typische Anwendungen sind Pick-and-Place-Prozesse, Montageaufgaben und die Materialversorgung von Produktionslinien. Für Systemintegratoren ist dabei besonders relevant, dass wir nicht nur die Hardware liefern, sondern auch die KI-gestützte Software und die Datenplattform, die kontinuierliches Lernen im Betrieb ermöglicht. So können Prozesse nicht nur automatisiert, sondern auch dynamisch optimiert werden.

Die Humanoiden sind in der Lage komplexe Aufgaben selbstständig mit größter Genauigkeit auszuführen

Nicole Steinicke: Welche Rolle spielen Daten und KI in Ihren Systemen?

Schön-Behanzin: Daten sind ein zentraler Bestandteil unseres Ansatzes. Wir kombinieren reale Produktionsdaten mit Informationen aus Simulation, Teleoperation und visuellen Systemen. Daraus entsteht ein mehrschichtiges Datensystem, das die Grundlage für lernfähige Robotik bildet. Für Entwickler bedeutet das konkret: Systeme können im laufenden Betrieb verbessert werden, ohne dass jede Anpassung manuell programmiert werden muss. Digitale Zwillinge spielen dabei eine wichtige Rolle, um Prozesse zu analysieren, zu testen und zu optimieren, bevor Änderungen in die reale Produktion überführt werden.

Nicole Steinicke: Wie bewerten Sie den Einsatz humanoider Robotik in der industriellen Praxis?

Schön-Behanzin: Humanoide Systeme stehen noch am Anfang, bieten aber langfristig großes Potenzial. Für die industrielle Anwendung ist jedoch entscheidend, dass sie stabil, sicher und wirtschaftlich sind. Deshalb betrachten wir sie als gezielte Ergänzung unseres Ökosystems. Es gibt jedoch nach wie vor viele Anwendungsfälle, in den mobile Manipulatoren – also fahrerlose Transportsysteme mit Roboterarmen – die bessere Wahl sind. Entscheidend ist die Flexibilität und die Integration in bestehende Produktionsumgebungen. Für Ingenieure und Planer bedeutet das, dass nicht die Form eines Roboters entscheidend ist, sondern seine Funktionalität und Integrationsfähigkeit. Langfristig sehen wir humanoide Ansätze als Ergänzung, insbesondere dort, wo sie in standardisierten Umgebungen sinnvoll eingesetzt werden können.

Mit integrierten Kraft- und taktilen Sensoren definieren die Hände des Humanoiden die robotische Geschicklichkeit neu

Nicole Steinicke: Welche Rolle spielt Robotik im Zusammenspiel mit dem Menschen und für den Industriestandort?

Schön-Behanzin: Wir verstehen Robotik klar als Unterstützung für den Menschen. Ziel ist es, Prozesse effizienter, robuster und wirtschaftlicher zu gestalten – gerade vor dem Hintergrund steigender Kosten und Fachkräftemangel. Für Unternehmen und ihre technischen Teams bedeutet das, dass Automatisierung nicht isoliert gedacht werden darf, sondern als Teil eines Gesamtsystems. Entscheidend ist, Mitarbeitende frühzeitig einzubinden und Lösungen so zu gestalten, dass sie akzeptiert und sinnvoll genutzt werden. Nur so lässt sich das volle Potenzial intelligenter Robotik in der industriellen Praxis ausschöpfen.

Das Interview führte Chefredakteurin Dipl.-Ing. (FH) Nicole Steinicke.

Bilder: Aufmacher Agile Robots, im Gespräch Deutsche Messe

www.agile-robots.com

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Er bewegt sich selbstständig zwischen Arbeitsstationen, arbeitet eng mit Menschen zusammen und erledigt eine Vielzahl von Aufgaben – in der Fertigung, Logistik und darüber hinaus: Agile One. Mit realen Industriedaten lernt der zuverlässige Kollege in der Produktion, passt sich mit jeder Aufgabe an und entwickelt sich weiter. Neugierig? Hier können Sie den humanoiden Roboter kennenlernen:

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