Natürlich, Normen haben ihren Zweck. Sie bringen Ordnung ins Chaos, sichern Qualität und schaffen Vergleichbarkeit. Doch manchmal wirkt es so, als ginge es weniger um Orientierung – und mehr ums Verordnen. Da türmen sich ganze Papierberge an Vorgaben, die kaum noch jemand durchschaut.
Ein besonders schönes Beispiel liefert die Diskussion um Balkonkraftwerke. Da mischen gleich mehrere Gremien mit: der Elektrotechnikverband VDE, die Internationale Elektrotechnikkommission IEC – und am Ende auch noch der Gesetzgeber. Jeder mit eigenen Ideen, Interessen und natürlich mit der passenden Norm im Gepäck. Für Anwender bleibt ein undurchdringliches Regelwerk, das Innovation eher verhindert als ermöglicht. Irgendwann hatte ich es dann aufgegeben, mich mit all den Vorschriften zu beschäftigen – und das Thema Balkonkraftwerk schlicht zu den Akten gelegt.
Und Hand aufs Herz: Wer sitzt eigentlich in diesen Gremien? Wer entscheidet, ob ein Stecker für das Balkonkraftwerk nun nur vom Elektriker montiert werden darf? Man ahnt, dass nicht immer allein das Wohl der Verbraucher im Mittelpunkt steht. Transparenz? Fehlanzeige.
Vielleicht wäre es also an der Zeit, die Spielregeln zu überdenken. Normen sollen das Leben einfacher machen – und nicht komplizierter. Und vielleicht sollten wir die „Frösche“ auch nicht länger den Sumpf bewachen lassen.
In der Intralogistik erleben wir die gleichen Mechanismen: Normen und Standards sind wichtig, keine Frage. Aber wenn sie zur Innovationsbremse werden, läuft etwas schief. Ein bisschen weniger „Normen-Gedöns“ – und ein bisschen mehr Praxisnähe – das täte uns allen gut.
Und falls jemand jetzt fragt: „Ja, aber wo bliebe dann die deutsche Gründlichkeit?“ – nun, vielleicht reicht es ja, wenn sie nicht länger in 34.000 Einzelteile zerlegt wird.