Starre Schlüsselsysteme sind passé, moderne Betriebsartenwahl- und Zugangsberechtigungssysteme wie PITmode von Pilz stießen bei Maschinen- und Anlagenbetreibern in den vergangenen Jahren auf breite Zustimmung. Unterschiedliche Betriebsarten erfordern abgestimmte Kompetenzen und klar definierte Nutzerrechte. Dazu gehören zum Beispiel das Einrichten oder Umrüsten, das Überprüfen gewünschter Funktionen am Werkstück, die Überwachung von Qualitätslevels sowie Service- und Wartungsaufgaben. Integrierte Zugangs- und Zugriffsberechtigungssysteme für Safety und Security werden zunehmend Standard. Das Ziel hierbei ist, dass Bediener einerseits in ihrer jeweiligen Arbeitssituation geschützt sind und Anlagen andererseits bei versehentlicher oder sogar mutwilliger Fehlbedienung weder Schaden nehmen noch für lange Zeit stillstehen. Die Funktion „Security“ rückt dabei verstärkt in den Fokus.
Wechselseitige Synergien
Die Digitalisierung ist ein Treiber zur Optimierung von Prozessabläufen. Im Zuge von Anlagenupdates verfolgt Starrag seit jeher das Ziel, die Bedienbarkeit von Maschinen intuitiver, effizienter und gleichzeitig sicherer zu machen. Die Schweizer Starrag Group mit Hauptsitz in Rorschach ist ein weltweit tätiger Hersteller von Präzisions-Werkzeugmaschinen und Bearbeitungszentren. Der Schwerpunkt liegt auf dem Fräsen, Drehen, Bohren und Schleifen von Werkstücken aus Metall, Verbundwerkstoffen und Keramik. Zur Dachmarke zählen insgesamt elf Produktbereiche, darunter auch Heckert-Maschinen mit Entwicklung und Produktion in Chemnitz.
Seit mehr als 20 Jahren pflegen Starrag und Pilz eine enge und vertrauensvolle Kooperation. Das Automatisierungsunternehmen aus Ostfildern bei Stuttgart ist für Starrag Partner für Automatisierung und Sicherheit, Starrag für ist für Pilz ein „Early Adopter“ innovativer Produkte und Lösungen. Fundierte Praxiserfahrung und Erwartungen aus Kundensicht treffen auf Entwicklungs-Knowhow und die Verankerung in zahlreichen Industriebranchen. Das stiftet wechselseitig Synergien. „Wir schätzen die Zusammenarbeit mit Pilz sehr, die von Anfang an konstruktiv und partnerschaftlich ist. Tatsächlich haben wir nicht nur einmal Produkte und Lösungen kritisch getestet, optimiert und gemeinsam zur Reife geführt“, berichtet Ulf Keiling, Teamleiter Hardware HMPS bei Starrag. Bereits kurz nach der Markteinführung war das klassische PITmode bei dem Werkzeugmaschinenbauer im Serieneinsatz und bewährt sich bis heute als zuverlässiges, einfach handhabbares Betriebsartenwahl- und Zugangsberechtigungssystem.
Safety und Security im Paket
Als bei Starrag ein Update der Heckert Kompaktmaschinen anstand, ging damit auch eine Optimierung des Bedien- und Sicherheitskonzeptes einher. Die komplexen 5-Achs-Horizontal-Bearbeitungszentren mit integriertem Werkzeugmagazin übernehmen ein mehrstufiges Aufgabenset aus Drehen, Bohren und Fräsen. Sie fertigen und bearbeiten unter anderem Motoren-Rohgussblöcke oder Turbinenschaufeln für die Flugzeugindustrie. Sehr hohe Präzision ist dabei ebenso gefragt wie effiziente Prozessabläufe. Integrierte Sicherheitslösungen wie PITmode sorgen dabei für die Unversehrtheit von Mensch und Maschine.
Keiling weiß, dass dabei noch immer mehr geht: „Wir wollen Fehlbedienungen oder fahrlässige Handlungen mit anschließendem Anlagenstillstand künftig noch unwahrscheinlicher machen. Neben den klassischen Safety-Themen spielen Security-Aspekte heute eine zunehmend wichtigere Rolle. Deshalb muss ein modernes Zugriffsberechtigungsmanagement klar und eindeutig regeln, wer auf welche Maschinen- und Prozessdaten Zugriff hat.“
Bei PITmode steht Anwendern eine Tastatur mit vier Betriebsarten sowie eine Schlüssel-Schnittstelle zur Verfügung. Die Schlüssel mit den einzelnen Betriebsarten waren hier jedoch vorgegeben und nicht individualisierbar. Die Idee und das Ziel waren ein innovatives, flexibles und individualisierbares Zugangs- und Zugriffsberechtigungsmanagement, das Safety- und Security-Aspekte gleichermaßen abdeckt. Die Nachfolgelösung hat Pilz in enger Kooperation mit dem Werkzeugmaschinenhersteller zur Serienreife vorangetrieben. Heute können Maschinen- und Anlagenbetreiber ihre Schlüssel selbst individuell beschreiben und mit einem persönlichen Passwort versehen. Da bei den Bedientafeln 22,5 mm-Bohrungen Standard sind, sollten Steckplatz, Tastatur und USB-Terminal entsprechend integrierbar sein.
Individualisierte Schlüssel
Nachfolger des vielfach bewährten PITmode ist PITmode fusion: Die abwärtskompatible Komplettlösung für Safety und Security besteht aus der Ausleseeinheit PITreader mit RFID-Technologie und integriertem Webserver sowie einer Safe Evaluation Unit (SEU). Diese verknüpft Reader, Tastatur und Sicherheitssteuerung. Mit einem eindeutig und klar geregelten Berechtigungsmanagement sorgt die Lösung dafür, dass ein Anlagenbediener ausschließlich die Rechte erhält, die seinen Qualifikationen und Eignungen für die jeweilige Anlage entsprechen. Der Unterschied liegt in der Individualisierung: „Mit PITmode fusion können Maschinenbetreiber über die Software am PC generische Keys parametrieren, die exakt auf die jeweiligen Nutzer und deren Aufgaben zugeschnitten sind“, erläutert Keiling.
Steckt ein Bediener seinen personalisierten Schlüssel ein, schaltet die Anlagensteuerung ausschließlich die für ihn vorgesehenen Berechtigungen frei. Ein Schlüssel kann dabei auch mehrere Maschinen abdecken: Der Schlüsseleigner mag beispielsweise befugt sein, an einer Maschine Wartungs- und an einer anderen Anlage Einstellarbeiten auszuführen. Zusätzlich kann zum Beispiel eine individuelle Bedienerführung mit einer darauf abgestimmten Display-Anzeige erfolgen. Auf dem Bedienpanel der jeweiligen Maschine erscheint also nur die zur Aufgabe beziehungsweise zum Nutzer passende Bediengrafik.
Zukunftssicher durch höhere Standards
Die neue Komplettlösung für Safety und Security erhöht sowohl die Sicherheit für den Bediener als auch den Schutz vor Fehlbedienungen und Manipulation. In Verbindung mit dem Bedienelement PIT oe 4s und der berechtigungsabhängig aktivierbaren USB-Datenschnittstelle setzt die Lösung insbesondere bei der Security neue Standards. Betreibern steht eine Fülle von Möglichkeiten zur individuellen Benutzerverwaltung zur Verfügung. Mitarbeiter sind mit diversifizierten Datenzugriffsrechten ausgestattet.
So können zum Beispiel ausschließlich Servicemitarbeiter mit entsprechendem Schlüssel die PIT oe USB-Schnittstelle in der vorab definierten Betriebsart „Servicemode“ nutzen. Unberechtigte Personen erlangen keinen Zugang zu den Daten. Dies erhöht die Security an der Maschine. Auch eine Ethernet-Schnittstelle ist vorhanden. Über diese Vernetzung der einzelnen Reader können alte oder nicht zurückgegebene Schlüssel an einer oder mehreren Maschinen inaktiv geschaltet werden.
Dutzende Starrag-Anlagen mit dem flexiblen und zukunftsweisenden Zugangs- und Zugriffsberechtigungssystem sind bereits im Kundeneinsatz. „PITmode fusion wird das klassische PITmode komplett ablösen. Vor allem, weil es mit Blick auf die 2027 in Kraft tretende EU-Maschinenverordnung deutlich höhere Standards für Safety und Security bietet“, sagt Keiling und betont: „Für unsere Kunden ist das ein signifikanter Mehrwert.“
Schulungen zu Maschinen- und Anlagensicherheit
Anlagensicherheit ist von grundlegender Bedeutung für den sicheren Betrieb technischer Anlagen. Als Maschinenhersteller oder -betreiber sind Sie gesetzlich verpflichtet für die Sicherheit von Maschinen, Anlagen und Geräten zu sorgen. Durch Trainings lernen Sie, wie Sie Risiken erkennen und Unfälle vermeiden. Weiterbildung für Sicherheitsbeauftragte und Mitarbeiter ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Informieren Sie sich über das Weiterbildungsangebot von Pilz: www.pilz.com/de-DE/trainings#overviewText-/Bildquelle: Pilz